Zusammen mit dem RC Wil-Hinterthurgau feiert der RC Wil den Nationalfeiertag traditionsgemäss in der Hackenberghütte in Balterswil. Und diesmal war der Wettergott den rund 50 Gästen nach den vorangegangenen Hitzetagen wohlgesinnt. Das eingespielte Team mit den Organisatoren Rot. Reto Buri und Rot. Paul Dreyer stand bereits bereit. Für die Verpflegung sorgten Würste vom Gasgrill und Köstlichkeiten aus der Backstube der Bäckerei Eberle von Ralf Peter. Und wie immer durfte zum Abschluss – wer wollte – ein Schnaps von Paul nicht fehlen.
Programmchef Andreas Signer bewies ein gutes Gespür dafür, was viele Rotarierinnen und Rotarier an diesem Abend in den Hinterthurgau locken könnte: keine politischen Statements, keine Analysen zur geopolitischen Lage, sondern mit Nicolas Senn Musikkultur pur. Wer kennt ihn nicht, den sympathischen und authentischen Musiker und Erzähler aus Gais?
Bereits mit vier Jahren wollte Nicolas Senn Hackbrett spielen lernen. Sein Musiklehrer musste sich allerdings zuerst selbst eines besorgen und lernen, darauf zu spielen. Der weitere Weg ist bekannt: Senn hat eine beeindruckende Karriere hingelegt – mit viel Disziplin, Ehrgeiz und vor allem Leidenschaft. Und was er virtuos aus den Saiten herausholt, begeistert: vom klassischen Ländler über ein Potpourri bekannter ABBA-Hits bis zur Titelmelodie eines James-Bond-Films.
Senn spielt denn auch in unterschiedlichsten Formationen. Trifft er beispielsweise mit seinem Hackbrett auf den Boogie-Woogie-Pianisten Elias Bernet, begegnen sich zwei musikalische Welten – und harmonieren überraschend gut miteinander.
Natürlich wusste Nicolas Senn auch einiges über die Herkunft und Geschichte seines Instruments zu erzählen. Unterschiedliche Formen des Hackbretts sind von Nordamerika über West- und Osteuropa bis in den Mittleren und Fernen Osten verbreitet. Unter der deutschen Bezeichnung «Hackbrett» versteht man im engeren Sinn jene Varianten, die vor allem in der alpenländischen Volksmusik beheimatet sind. Und wer das Instrument professionell studieren möchte, kann an der Hochschule Luzern sogar einen Master Musik mit Hauptfach Hackbrett absolvieren.
Sorgen bereitet Senn hingegen, dass es in der Schweiz nur noch wenige Hackbrettbauer gibt – zwei davon in seiner näheren Umgebung in Herisau und Appenzell.
Auch das Prinzip des Instruments erklärte er anschaulich: Seine trapezförmige Gestalt ergibt sich aus der unterschiedlichen Länge der Saiten – lange Saiten erzeugen tiefe, kurze Saiten hohe Töne. Anders als beim Klavier sind die Töne jedoch nicht einfach der Reihe nach von tief nach hoch angeordnet.
Und wie lässt sich Senns Spiel beschreiben? Seine Schlägel tanzen scheinbar wild über die Saiten, von links nach rechts, von oben nach unten – und trotzdem sitzt jeder Ton.
Ein besonderer Höhepunkt des Abends war sein selbst komponierter «Säntisfahnen-Marsch». Das Stück nimmt Bezug auf die riesige Schweizer Fahne, die jeweils rund um den 1. August an der Nordwand des Säntis angebracht wurde. Senn ist übrigens Götti dieser Säntisfahne. Ob sie nach dem Bau der neuen Säntisbahn wieder am Berg zu sehen sein wird, ist offen. Sein Marsch hingegen überraschte mit modernen Harmonien und Übergängen, verbunden mit dem Rhythmus eines traditionellen Marsches und immer wieder auch leisen, feinen Passagen.
Was Nicolas Senn an diesem Abend sonst noch alles erzählte, sei hier nicht verraten. Denn eines wurde schnell klar: Senn muss man live erleben.
Eine besondere Episode darf dennoch nicht fehlen. Sie verbindet Nicolas Senn mit Rot. Richard Koller und dessen Frau Martha. Vor 24 Jahren organisierte Richard in Wil für die Vereinigung Schweizerischer Sanitär- und Heizungsfachleute einen Kongress. Der gemeinsame Ausflug führte auf den Säntis – und wen engagierte Richard für die musikalische Unterhaltung? Nicolas Senn. Der war damals gerade einmal zwölf Jahre alt.
So bleibt die Erinnerung an einen rundum gelungenen 1.-August-Anlass: mit aussergewöhnlicher Musik, viel Zeit für Begegnungen und Gespräche in ungezwungener Atmosphäre – und wie immer mit viel Herzblut vorbereitet und liebevoll angerichtet. mu